Donnerstag, 8. Juni 2006

Best in Class ?

Diskussion mit einem IT-Controller über Benchmarks. Erfreut vernehme ich den Anspruch des Unternehmens: Wir wollen "Best in Class" sein. Klingt doch gut. Hat aber ein bisschen Ähnlichkeit mit Alkohol. Mit Bedacht eingesetzt angenehm, birgt jedoch die Gefahr des Abrutschens in nicht akzeptable Verwendung beim Versuch übertrieben Stimmungsaufhellung zu betreiben. Warum? Erinnern Sie sich doch mal an Ihre Schulzeit. Auch mal eine 5 geschrieben ? Da gab es drei verschiedene Interpretationen von Best in Class:
  • Die eigene: "Peter hat auch eine 5".
  • Die der Eltern: "Aber Lisa hat eine 2".
  • Und die des Lehrers: "5 ist ziemlich übel - Du musst mehr tun"
Es kommt also ganz erheblich auf die Vergleichsgruppe an. Die des Lehrers ist nicht perfekt, aber aus der Auswahl die beste. Sie ist nämlich nicht beeinflusst vom Versuch den Probanden gut oder schlecht auszusehen zu lassen. Und sie ist (dank Geldmangels im bundesrepublikanischen Bildungssystem) relativ groß. Alle anderen Vergleichsgruppen werden willkürlich und tendenziös gewählt. Unter anderen 5er Kandidaten sieht man doch gar nicht so schlecht aus. Und die überdehnte Wunschvorstellung der Eltern nach einem strebsamen Sprössling kann die empfindsame Schülerseele arg demotivieren. Übersetzt in die Welt der Benchmarks: Soll in einem Projekt gegen "Best in Class" geprüft werden, kommt es sehr auf die unvoreingenommene Auswahl der Vergleichsgruppe an. Am besten: man trifft als (per Definition) voreingenommener Mensch gar keine Auswahl sondern lässt dem Benchmark-Verfahren freien Lauf. Denn mal ehrlich, was nutzt es Delta Airlines, dass sie vielleicht etwas besser da stehen als Northwest - beide stehen unter Chapter 11, sind also insolvent. Das ist bei den Gefälligkeitsbenchmarkern aber heute gelebte Praxis. Den Begriff sollte ich vielleicht bei Gelegenheit auch noch mal erläutern .... Gefälligkeitsbenchmarker ....

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