Freitag, 14. Juli 2006

Nicht traurig sein Accenture

"Sparwut in deutschen IT-Abteilungen wird zum Risiko", titelt heute die Computerwoche. Und aus drei langen Spalten erfährt man auch für wen: für Accenture.

Zwar werden die CIOs der Republik als geizig und phantasielos gebrandmarkt, aber worin das Risiko für die Firmen denn nun bestehen soll, erfährt man nicht.
Ganz deutlich wird aber, dass Accenture, deren Untersuchungen Basis des Artikels sind, sich aufregt wie Uli Hoeneß, wenn man den Bayern ans Leder will: "Sie (die CIOs) investieren ihre Zeit in Benchmarking und das Verbessern einzelner Prozesse aus Kostensicht anstatt Wege zu finden, damit das gesamte Unternehmen durch IT Vorteile erringen kann."

Nun bin ich ja sicherlich befangen. Ich halte Benchmarking für gut. Weil es den Unternehmen zeigt, wo sie Schwachstellen haben und wie sie auszumerzen sind. So wie Klinsmann seinen Mannen das Gummiband schenkte. Als Reaktion auf die Feststellung, dass andere Mannschaften fitter sind (Benchmarking!). Mit dieser und vielen anderen Einzelmaßnahmen hat er eine eigentlich eher unscheinbare Truppe fit gemacht. Und den Beifall der Nation gab's dann oben drauf.
Man stelle sich vor, Klinsmann hätte sich stattdessen ein Team von Strategen zugelegt, die mit ihm den Fussball neu erfinden wollen. "Zum Nutzen des Ganzen" sozusagen. Die Pleite hätte ich nicht sehen wollen. Und so sind mir unter den CIOs, die ich so kenne, auch die die liebsten, die ihr Handwerk beherrschen, ihr Personal gut organisieren und als erstes mal das in hoher Qualität liefern, was sie im Portfolio haben. Manchmal schwer genug. Merkwürdigerweise werden diese Menschen auch von anderen im Unternehmen ständig um Rat gefragt. Dagegen ist die Halbwertzeit der visionären IT-Superstrategen, deren IT ständig knirscht und eiert oft so kurz. Ich muss mal Accenture fragen, woran das liegt.